Beziehungen in den Zwanzigern

Warum sind die Beziehungen in den Zwanzigern so wichtig? Tipps für junge Erwachsene.

Du erfährst in diesem Artikel, warum Zwanziger Jahre Dein weiteres Leben definieren, und warum Du als Folge dessen (auch) Dein Liebesleben bereits vor Deinem 30. Geburtstag ernst nehmen solltest.

Ein junges Paar zeigt die Zuneigung und Liebe - passend zu Beziehungen in den Zwanzigern.

„Warum passiert mir das immer?“ – höre ich oft von meinen Klientinnen.

Viele kommen zu mir, weil sie besorgt, ja sogar in Panik sind, denn die Beziehung, die sie gerade führen, entwickelt sich nicht zu einer festen Bindung.

Erstaunlicherweise sind das oft gutaussehende Frauen in ihren Dreißigern, die gebildet sind, einen interessanten und gut bezahlten Job und spannende Hobbies haben und sonst bis jetzt alles erreichen konnten, was sie sich im Leben vorgenommen haben.

Daraus ergibt sich die Frage: Was kannst Du besser machen, wenn Du selbst noch genug Zeit hast – in Deinen Zwanzigern?

Singles in ihren Dreißigern – Wünsche und Ängste

Nach außen cool und unabhängig, wünschen sich Singles in ihren Dreißigern insgeheim eine feste Beziehung, eine Heirat und Kinder.

Wenn wir im Coaching ihre Beziehungen analysieren, stellen wir oft fest, dass es sehr viele Unterschiede in dem gibt, wie beide Partner sich eine Beziehung vorstellen:

Oft halten sich Frauen und Männer an jemanden, der nicht wirklich eine feste Beziehung eingehen will oder kann. Sie halten sich an der Beziehung fest, obwohl sie sich darin weder geliebt noch sicher fühlen.

Während sie sich in ihren Zwanzigern noch keine Gedanken darüber machten, sind sie in ihren Dreißigern von Ängsten geplagt:

  • der Angst, dass diese Beziehung womöglich ihre letzte ist;
  • dass sie nicht genug geliebt sein werden;
  • eventuell verlassen zu werden;
  • im Leben hinter allen Freundinnen zurückzubleiben, die bereits verheiratet sind und Kinder haben;
  • vor Einsamkeit im Alter…

Alle diese Ängste zwingen viele Frauen und Männer ab dreißig krampfhaft an der Beziehung zu halten, obwohl sie darin nicht glücklich sind.

Wie kommt es also, dass die Anforderungen an einen Partner bzw. eine Partnerin und eine Beziehung so niedrig sind?

Die Dreißiger Grenze – was hat dieses Alter auf sich?

Drei junge Frauen in ihren Zwanzigern in Party-Kleidern feiern zusammen.

Der Begriff „Die Dreißiger Grenze“ (Age Thirty Deadline) ist geprägt von J.J. Arnett und wurde in seinem Buch: Emerging Adulthood: The Winding Road from the Late Teens Through the Twenties“ beschrieben.

Obwohl junge Menschen in ihren Zwanzigern Spaß in ihrem Leben öffentlich als der wichtigste Wert beschreiben, sprechen sie hinter geschlossenen Türen Bedenken aus, ob sie es hinkriegen werden bis zu ihrem Dreißigsten Geburtstag mehr Stabilität in ihrem Leben zu schaffen. Vor allem sorgen sie sich um ihre Karrieren sowie um ihre Beziehungen.

„Wenn ich dreißig bin, möchte ich nicht gern allein bleiben,“ – ist die allgemeine Stimmung.

Warum senken die Ansprüche, sobald die Beziehungen in den Zwanzigern scheitern?

Wenn die Singles dreißig werden verwandeln sich ihre Bedenken in eine Panik. Die Freunde und die Freundinnen, die heiraten und Kinder kriegen, werden beneidet. Man fühlt sich im Vergleich als überholt.

Social Media macht die Situation sogar noch schlimmer. Einfach deswegen, weil verheiratete Paare immer wieder Fotos eines glücklichen Zusammenlebens, der zuckersüßen Babies und Kleinkinder, der Familienurlaube und der Familienfeier posten. Diese Fotos vermitteln den Eindruck eines restlos glücklichen und erfolgreichen Lebens. Und die Sorgen und die Schwierigkeiten werden meist nicht dokumentiert.

Statistisch gesehen machen Frauen, die über Dreißig sind, sich mehr Sorgen über ihre Beziehungen als Männer. Der Grund dafür ist, dass sie wissen, dass ihre fertile Zeit endlich ist. Ausserdem fühlen sich viele von ihnen machtlos, weil sie immer noch im Glauben erzogen wurden, dass die Initiative von dem Mann ausgehen sollte. Daraus resultiert sich der Eindruck, dass ihnen nichts übrig bleibt als da zu sitzen und auf den Ring zu warten.

Wenn der Druck groß ist, senken sich die Ansprüche automatisch.

Eine Frau hat es so beschrieben: „Meine Zwanziger waren ähnlich einem Partyspiel, bei dem alle lachend um die Stühle herumrennen. Wenn die Musik aufhört, alle setzen sich und einer bleibt ohne Stuhl stehen. In den Zwanzigern hat man noch Spaß, weil das Spiel noch lange weitergeht. Als ich Dreißig wurde, hörte dieses Spiel auf einmal auf Spaß zu machen. Man stürzt sich auf nächstverfügbaren Stuhl, weil man nicht alleinstehen und von allen bemitleidet sein möchte.“[i]

Die Psychologen raten also bereits in Bezug auf die Beziehungen in den Zwanzigern eigenes Liebesleben ernst zu nehmen und sich Gedanken über die Person zu machen, mit der man das restliche Leben verbringen möchte.

Liebe vs. Verliebtheit – wie wichtig ist der Unterschied?

Viele jungen Menschen versammeln sich neben dem Wasser, sprechen zu einander, tanzen und genießen die Zeit zusammen. Die Beziehungen in den Zwanzigern sind wichtig.

Die meisten Menschen werden zustimmen, dass die Entscheidung über den Partner / die Partnerin mitunter die wichtigste Entscheidung im Leben ist:

Wenn diese Entscheidung getroffen ist, teilst Du Dein Haus, Deine Finanzen, Deine Kinder, Deine freie Zeit, Deine Gesundheit, Deine Träume und Zukunftspläne und vieles mehr mit dieser einer Person.

Als Folge werden die meisten Menschen zustimmen, dass diese Entscheidung gut überlegt getroffen werden muss.

Und nichtsdestotrotz verlassen sich die meisten Menschen bei der Auswahl des Partners oder der Partnerin auf ihre Intuition und das anhaltende Verliebtheitsgefühl.

Ich biete in meiner Praxis einen Test zur Bindungsangst an. Das ist ein sehr einfacher Test: Je mehr Fragen antwortest Du mit Ja, desto wahrscheinlicher ist es, dass Du von Bindungsangst betroffen bist.

Eine der Fragen ist besonders interessant, nicht nur in Bezug auf die Bindungsangst. Sie lautet:

„Du erkennst die/den richtige/n Partner/in daran, dass Du in sie/ihn verliebt bist und dass dieses Gefühl über lange Zeit anhält.“

99% antworten mit Ja!

Dabei ist es weitgehend bekannt, dass das Verliebtheitsgefühl nicht lange anhält:

Nach 6 Wochen bis spätestens 18 Monaten ist es bei JEDEM Paar nicht mehr da. Wichtig ist, was danach bleibt: Zärtlichkeit, Respekt, Verbindung, Fürsorge und Liebe… Oder eben nichts von alledem. 

Das bedeutet, dass Du zuverlässigere Kriterien brauchst, um den Richtigen oder die Richtige zu erkennen.

Die Menschen, die erfüllte Beziehungen in den Zwanzigern anstreben, werden von folgenden Tipps profitieren.

6 Tipps für erfüllte Beziehungen in den Zwanzigern

Folgende sechs Tipps werden Dir helfen den oder die Richtige zu erkennen. Aber nicht nur das. Wenn Du Dir zur Gewohnheit machst jeden Tag diese Tipps zu befolgen, wirst Du automatisch selbstbewusster und sicherer im Umgang mit Menschen. Und Du wirst generell ein glücklicheres und erfüllteres Leben führen.

Die Beziehungen in den Zwanzigern zeigen als Beispiel ein glückliches Paar, das auf dem Fahrrad sitzt. Die Frau küsst den Mann.
1. Übe Dich in Selbstliebe

Jede Liebe beginnt mit der Liebe zu sich selbst. Mach es Dir also bewusst, dass Du niemandem auf dieser Welt eine Beziehung schuldest – nicht Deiner Mutter, Deinen Verwandten und auch nicht Deinen besten Freundinnen. Lass Dich nicht unter Druck setzen, denn Du musst sie nicht haben. Du willst und Du kannst, aber müssen tust Du gar nichts.

2. Vergleiche Dich nicht mit anderen

Menschen schließen Ehen mit 25 Jahren genau wie mit 50 Jahren.

Die Forscher haben sich die Frage gestellt, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen dem Alter, in dem man eine Ehe schließt, und der Stabilität einer Beziehung. Sie haben festgestellt, dass die Ehen, die im Teenageralter geschlossen wurden, öfter mit einer Scheidung enden als alle anderen. Aber ab dem 25. Lebensjahr spielt das Alter keine Rolle mehr. Ab 25 Jahren sagt das Alter nichts darüber aus, wie glücklich die Ehe verlaufen wird.

Konzentriere Dich also auf das Finden der Person, die zu Dir passt, und lass Dir ruhig Zeit dabei.

3. Sprich positiv über Dich selbst

Gewöhne es Dir an, positiv über Dich selbst zu denken und achte auf Deine Worte.

Die Phrasen wie: „Warum passiert mir das immer?“ sind gefährlich.

Erstens, weil Du suggerierst, dass alles, was passiert, passiert einfach, ohne Dein Zutun. Also suggerierst Du im Grunde Deine eigene Machtlosigkeit etwas verändern zu können.

Und zweitens suggerierst Du, dass es Dir IMMER passiert.

Es gibt in der Psychologie der Begriff der „Self-efficacy“ – die Selbstwirksamkeit. In jedem Bereich – Schule, Arbeitsleben, Dating, Familie – wirst Du Menschen finden, die trotz der Schwierigkeiten, Fehler und Niederlagen die Kraft finden so lange dranzubleiben, bis sie endlich erfolgreich sind. Das sind Menschen mit einem ausgeprägten Gefühl der Selbstwirksamkeit. Sie verlassen sich nicht auf das Glück oder das Schicksal oder die Umstände. Und sie wissen um ihre eigene Macht und ihren Anteil am Erfolg.

Ziemlich sicher hast Du dieses Gefühl schon erlebt. Zum Beispiel, zu Deiner Schulzeit, als Du Dich auf die Prüfungen vorbereitet und diese bestanden hast. Oder als Du an einem Projekt gearbeitet und ihn irgendwann zum Erfolg gebracht hast.

Genau so funktioniert die Selbstwirksamkeit in den Beziehungen in den Zwanzigern. Sie bewirkt, dass Menschen so lange suchen, bis sie den Richtigen oder sie Richtige finden.

4. Fokussiere Dich auf Deinen positiven Seiten

Wenn Du über Dich selbst sprichst, verwende positive Formulierungen. Auch wenn Du über Dich selbst denkst, mach Dir Komplimente. Wenn Du in den Spiegel siehst, fokussiere Dich auf Deine liebenswerten Eigenschaften.

Selbst wenn es sich am Anfang seltsam anfühlt, wirst Du nach einer Weile merken, dass Du viel entspannter durch das Leben gehst, Dir weniger Sorgen machst, und Menschen mit Deiner Lebensfreude ansteckst.

5. Kenne Deine Werte

Deine Werte sind wichtig, denn sie geben Dir eine Orientierung im Leben.
Wenn Deine Werte verletzt sind, fühlst Du Dich schlecht. Auf diese Weise gibt Dir Dein Unterbewusstsein ein Signal, dass etwas nicht stimmt und Du Dir Gedanken machen solltest.

Nur all zu oft überspielen wir diese Warnsignale und unterdrücken unsere Gefühle. Dabei haben die Gefühle der Menschen sich evolutionär im Laufe von Millionen von Jahren entwickelt und sind dafür da, um uns zu warnen und zu schützen. Achte also auf Deine Gefühle in Bezug auf Menschen, analysiere sie und versuche sie zu verstehen.

Schreibe auf, welche Werte Dir in Bezug auf Deine Beziehung wichtig sind. Überlege konkrete Beispiele, in welcher Situation welcher konkreter Wert Dir einmal geholfen hat. Wenn Du mit Deinem/r potenziellen Partner/in sprichst, erwähne diese Beispiele. Empfindet er oder sie dasselbe wie Du? Hat er oder sie dieseleben Werte?

Die Beziehungen in den Zwanzigern haben einen Vorteil, dass Du Deine Suche gründlich angehen kannst.

6. Sei aktiv bei Deiner Suche

Die Frauen und die Männer, die aktiv ihre Partner suchen, sind schneller erfolgreich und haben Beziehungen, die länger halten. Aus diesem Grund, erkläre Deine Partnersuche für Deine höchste Priorität, sei kommunikativ, habe keine Angst Menschen anzusprechen. Ausserdem bitte Menschen um Hilfe, frage interessiert nach, und erweitere Deine Interessen und Deinen Bekanntenkreis.

Und wenn Du jemanden vor Dir hast, der Dich begeistert, sag ihm oder ihr das – habe keine Scheu dieser Person Komplimente und Deine Bewunderung auszusprechen.

7. Sei ehrlich über den Grund fürs Zusammenziehen in Deinen Beziehungen in den Zwanzigern

Viele Paare in den Zwanzigern finden sich in einer Beziehung, indem sie in einer Wohnung zusammenziehen, weil es so praktisch ist. Die Gründe scheinen in diesem Augenblick nachvollziehbar zu sein. Zum Beispiel, zieht das Paar zusammen, weil es finanziell günstiger ist oder weil man schnell Zugang zueinander hat, weil man nur die Hälfte an Möbeln kaufen muss oder weil es geselliger und nicht langweilig ist.

Die Paare, die aus Bequemlichkeit zusammenziehen, trennen sich jedoch signifikant öfter als Paare, die erst nach einer überlegten Entscheidung für einander als Paar, noch besser als Ehepaar, zusammenziehen.

Zuerst sollte eine eine bewusste Entscheidung getroffen werden, und erst dann als Folge dieser Entscheidung sollten weitere gemeinsamen Schritte überlegt werden, zu welchen gehört auch eine gemeinsame Wohnung. In dieser Reihenfolge und nicht umgekehrt.

8. Folge einem zeitlichen Plan

Du hast nur eine begrenzte Lebenszeit. Wenn Du erst in Deinen Zwanzigern bist, hast Du vielleicht das Gefühl, dass Deine Lebenszeit unendlich oder zumindest sehr lange ist. Der Schein trügt.

Die Singles, die so denken, wachen eines Tages in ihren Vierzigern, Füngzigern oder Sechzigern auf, blicken zurück und verstehen, dass sie die Zeit nicht genutzt haben. Glaube mir, Du willst nicht zu diesen Menschen gehören.

Schätze also Deine Zeit und nutze sie weise, wenn Du eine stabile Beziehung bereits in Deinen Zwanzigern aufbauen willst. Lass niemanden Deine Zeit rauben. Bestimme selbst das Tempo, in dem Du einen Partner bzw. eine Partnerin gefunden haben willst.

2 Wochen nach dem Kennenlernen

Nach 2 Wochen einer Bekanntschaft musst Du bereits wissen, ob Dein/e potenzielle/r Partner/in prinzipiell eine feste Beziehung möchte oder nicht. Das ist entscheidend! Vergeude Deine Zeit nicht in der Hoffnung, dass sich etwas ändert. Das wird es nämlich nicht! Jeder Mensch plant sein bzw. ihr Leben, auch dieser konkrete Mensch neben Dir. Verabschiede Dich von ihm oder ihr, wenn Eure Pläne auseinander gehen.

3 Monate nach dem Kennenlernen

Bereits nach 3 Monaten kannst Du sehen, wie er oder sie zu Dir steht. Sprich über Deine und seine oder ihre Vorstellungen von einer Beziehung, träume laut und lass ihn oder sie träumen. Kommst Du in seinen oder ihren Träumen vor? Was hält er oder sie von Deinen Träumen? Wenn Du wenig oder keine Übereinstimmungen findest, verliere keine Zeit, beende die Beziehung, und fokussiere Dich auf weitere Suche.

Menschen brauchen keine Jahre miteinander zu verbringen, um zu wissen, ob sie dasselbe wollen oder nicht. Bereits in den Beziehungen in den Zwanzigern kannst Du die Intentionen Deines Partners oder Deiner Partnerin erkennen. Wenn Dein Kandidat oder Kandidatin sagst, dass er oder sie mehr Zeit braucht, glaube ihm oder ihr das nicht. Höchstwahrscheinlich sind das Ausreden. Es kann durchaus sein, dass er oder sie Dich mag, allerdings nicht ausreichend, um sich zu binden.

Selbst wenn es ihm oder ihr nicht ganz bewusst ist, ist das ein Ausdruck der Respektlosigkeit. Mach nicht mit und beende eine solche Beziehung.

Fokussiere Dich auf Menschen, die Dich wertschätzen und Deine Werte teilen.


[i] Meg Jay:
The Defining Decade: Why Your Twenties Matter–And How to Make the Most of Them Now (English Edition)

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