Das Senden und Empfangen in der Beziehung

Das Senden und Empfangen in der Beziehung

Woran lässt sich eigentlich erkennen, ob der Partner zu wenig Dankbarkeit und Freude von dem Partner/der Partnerin erfährt?

Du erkennst das an dem Gefühl der Leere. Du fühlst einfach, dass etwas nicht stimmt und dass Du gern mehr wertgeschätzt werden möchtest…

Doch Vorsicht!  Wenn Du ein solches Gefühl hast, heißt nicht automatisch, dass Du Dankbarkeit und Freude von Deinem Partner einfordern kannst, bzw. darfst.

Das folgende Beispiel ist vielleicht an dieser Stelle etwas überzogen, dennoch illustriert es am deutlichsten, was ich meine: Ich spreche über die Personen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung.

Die eigentliche Tragödie dieser Menschen liegt darin, dass die Dankbarkeit, die ihnen gegenüber gezeigt wird, nie ausreicht. Sie haben IMMER das Gefühl, dass es zu wenig ist! Du kannst Dich in Dankbarkeit-Zeigen überschlagen – ein narzisstischer Partner wird sich trotzdem nie glücklich genug fühlen.

Was bedeutet das für uns?

Das bedeutet, dass das Gefühl – jedes Gefühl, auch das Gefühl der Leere – offensichtlich sehr subjektiv ist. Es hängt nicht so viel von dem Anderen, sondern vielmehr von Dir selbst ab.

Und das ist die eigentliche gute Nachricht: Du kannst es kontrollieren und ich zeige Dir wie!

Sender und Empfänger – es gehören immer zwei dazu!

In der Kommunikation gibt es immer einen Sender und einen Empfänger. Ständig senden und empfangen wir Botschaften und Gefühle – solche wie Freude, Dankbarkeit, Liebe und Zuwendung, Sicherheit, Humor und Fürsorge… Und auch wenn Einer mehr von etwas haben möchte (wie in unserem Fall, Dankbarkeit), bedeutet es nicht, dass der Andere das auch geben kann, will oder gar muss.

Aber auch unter „normalen“ – nicht vom Narzissmus betroffenen – Paaren kann es im Alltag passieren, dass Vieles für gegeben genommen wird und Dankbarkeit zu kurz kommt.

Wenn das passiert, wird oft als erstes eine Schuldfrage geklärt: Die Vorwürfe werden laut, beide fühlen sich un- und missverstanden und es kommt zum Streit. (Kommt Dir das bekannt vor? 😊 )

Als erstes, kannst Du Dir sicher sein, dass niemand von Euch die Schuld an der Situation hat: Beide haben aus bestem Wissen und Gewissen gehandelt. Ihr wusstet einfach nicht besser. Eine Beziehung zu führen setzt einen lebenslangen Lernprozess voraus. Und das ist ja gerade der Grund, warum Du jetzt diesen Artikel liest, nicht wahr?

Das Suchen eines Schuldigen hat im Übrigen in der Psychologie einen Namen: Das ist ein sogenannter Attributionsfehler.

Zum Beispiel, wenn Du verabredet bist und die Person sich verspätet, dann hast Du mindestens zwei Möglichkeiten das zu bewerten: Bei einer gibst Du den Umständen die Schuld (Wer weiß, was ihn oder sie unterwegs aufgehalten hat?) und bleibst gelassen; und bei der anderen gibst Du der anderen Person die Schuld (Die Person hat einen schlechten Charakter, ist unverantwortlich und man kann ihr überhaupt nicht vertrauen). Wie wird Dein Zustand in diesem Fall sein, wenn die Person endlich eintrifft?

Die meisten Menschen würden die zweite Variante vorziehen. Und das ist ja gerade der Attributionsfehler. Der Fehler ist so verbreitet, dass die Psychologen ihn sogar ein fundamentaler Attributionsfehler genannt haben.

Und den begehen wir in unserer Partnerschaft jedes Mal, wenn wir die sogenannte „Schuldfrage“ klären. So viel dazu.

Was kannst Du also tun, wenn Du mehr Dankbarkeit zeigen UND erhalten möchtest?

1.      Sprich keine Vorwürfe aus. Nimm Dir Zeit für Dich selbst und setzte Dich in Deinem Inneren mit der Situation auseinander. Wenn Du eine dritte Person hast, der Du vertraust, und weißt, dass sie objektiv sein kann, dann hilft es oft, bei dieser Person auszusprechen.

2.     Du kannst nur eine Person auf diesem Planeten verändern – Dich selbst. Fange also damit an, dass Du aufschreibst, wofür Du in diesem Augenblick dankbar sein kannst. Aufschreiben als Prozess an sich kann wahre Wunder bewirken. Ich empfehle meinen Klient/inn/en ein Dankbarkeitstagebuch zu führen und darin täglich ein paar Zeilen darüber festzuhalten, was in Deinem Leben schön ist und wofür Du dankbar bist.

3.     Würdige Dich selbst. Die erste Person, der Du dankbar sein musst, bist Du selbst. Schreibe auf, wofür Du stolz bist, was Du alles erreicht hast und warum Du eine Bereicherung für diese Welt bist. Das mag sich am Anfang seltsam anfühlen, doch mit mehr Übung wirst Du feststellen, dass Du glücklicher und ausgeglichener geworden bist und dass Du mehr Wertschätzung anderen Menschen gegenüber mitbringst.

4.    Sei ein Vorbild: Du kannst niemanden verändern, aber Du wirst dennoch mehr Wertschätzung erhalten, wenn Du Dir angewöhnst, immer eine positive Intention im Handeln anderer Menschen zu sehen und diese auch zu würdigen. Das wird eine Kettenreaktion auslösen: Jede Aktion führt zu einer Reaktion. Du musst mir nicht glauben, probiere es einfach aus. Folgendes kannst Du tun:

a.     Höre genau zu, stelle Fragen, zeige aufrichtiges Interesse an der Person und suche eine positive Intention.

b.    Werte nicht: Versuche die Perspektive Deines Gegenübers zu verstehen und daraus zu lernen.

c.     Bewundere Dein Gegenüber dafür, dass Du von ihm/ihr lernen konntest und sprich das aus.

Am Anfang fühlt es sich seltsam an: Möglicherweise wie „Sich-verstellen“ oder „Einknicken“. Aber das ist nicht so, denn Du darfst Deine Meinung behalten. Was Du lernst, ist die Toleranz und die Offenheit der anderen Meinung gegenüber zu zeigen.

Wenn wir etwas Neues lernen, fühlt es sich oft unbequem an: Erinnerst Du Dich an Deine ersten Fahrversuche? Oder an Deinen ersten Job? Oder an den ersten Kundentelefonat? An Deine erste Präsentation? Je öfter Du etwas machst, desto besser wirst Du Dich dabei fühlen.

Dass dieser Trick mit Bewunderung der andersartigen Perspektive funktioniert, zeigen die zahlreichen psychologischen Studien. Ich spreche vom Gesetz der Reziprozität: Je positiver und wertschätzender Du Deinen Partner bewertest, desto positiver und wertschätzender wird er/sie Dir gegenüber sein. Wir „spiegeln“ nämlich das Verhalten unserer Partner.

Ich hoffe, diese Tipps werden Dir dabei helfen, Deine Beziehung zu verbessern und Dich besser darin zu fühlen.

Ich wünsche Dir viel Freude in Deinem Leben und würde mich über Deine Fragen und Rückmeldungen sehr freuen.

Pass gut auf Dich auf!

Liebe Grüße,

Deine Swetlana

admin