Gibt es heutzutage besonders viele Narzissten?

Narzisst, Betrüger

Das Thema Narzissmus in so sehr in Medien und wohl auch in Köpfen der Menschen präsent, dass viele das Gefühl haben, dass es heutzutage besonders viele Narzissten gibt.
Ist das so? Oder sind die Medien für den Eindruck verantwortlich?

Es gibt in der Gesellschaft 4% Menschen, die NPS haben.

Wenn wir das Gefühl haben, dass es viele Narzissten in unserer Gesellschaft gibt, dann ist es Medien zu verdanken.

Oft fragen mich meine Kundinnen, ob ihr Ex-Partner womöglich ein Narzisst sei. „Ich kenne den nicht, aber die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering, dass er es ist und das ist auch nicht die Frage, die wir behandeln werden. Die Frage ist: Was kannst Du Konkretes tun, damit es Dir besser geht?“, – sage ich dann.

Die meisten Trennungen sind schmerzlich. Es wird einem nicht besser gehen, wenn man sich selbst einredet, Opfer von Narzissmus geworden zu sein. Na ja: kurzfristig vielleicht schon, denn die Schuldfrage wäre dann ja geklärt und man müsste nicht mehr nachdenken, was man selbst in der Beziehung falsch gemacht hat. Man ist ja nur ein Opfer… Nur langfristig hilft das nicht, denn dieselben Fehler werden immer und immer wieder gemacht – mit anderen Partnern. Und das erklärt auch das Phänomen, warum s.g. „Opfer“ immer wieder auf s.g. „Narzissten“ treffen. Es liegt nämlich an ihnen selbst.

Und womit soll dieses Opfer besser sein als der Täter, wenn es Hass- und Rachegefühle hat und diese öffentlich auslebt? Ich frage mich wirklich, wie viele Menschen mit NPS sich als Opfer öffentlich darstellen…

Das “hartnäckige” Schubladendenken der Menschen

Was erschreckend ist, dass Menschen in die Schubladen gesteckt werden:  „Menschen SIND dies oder jenes“.
Was gern vergessen wird, ist, dass Menschen sich entwickeln – und sie tun das tatsächlich sehr gern. Oder glaubt jemand hier, dass er oder sie eine durch und durch negative Persönlichkeit HAT und sich niemals ändern kann? 😊

Immer wieder muss ich an die Assoziation mit der Hexenjagd im Mittelalter und der frühen Neuzeit denken.[1]
Auch die Hexen und die Hexer WAREN etwas. Auch gab es viele „Opfer“, die die s.g. „Hexen“ und „Hexer“ öffentlich beschuldigt und bestrafft haben. Auch gab es Menschen, die versucht haben, das Phänomen zu verstehen. Bis es so weit war, mussten Tausende von Menschen auf den Scheiterhaufen sterben.

Schauplatz in Verona, auf dem die Hexen und Hexer zur Schau gestellt wurden
Verona, Schauplatz
Negative Gefühle sind normal… für eine kurze Zeit

Ich kann die Gefühle der „Opfer“ gut nachvollziehen. Auch mich erfüllte Schmerz und Hass, als ich verstand, wie sehr ich manipuliert wurde.

Der Hass tat mir aber nicht gut. Ich habe mal einen Spruch gehört, dass der Hass wie der Ratengift sei, den man trinkt und hofft, dass die Rate stirbt. Genau so ging es mir damals.

Ich musste mich gegen dieses hässliche Gefühl wehren. Ich sah, dass es mich und meine Gesundheit ruiniert. Ich musste lernen eigene Gedanken zu ordnen und diese zu kontrollieren – weg von „Ich bin ein armes Opfer – es geht mir schlecht“ hin zu „Was habe ich dagegen getan? Warum war es überhaupt möglich? Wie kann ich mich in der Zukunft dagegen schützen? Und wie kann ich eine liebevolle Person bleiben und trotzdem widerstandsfähig und nicht zerbrechlich sein?“ Und außerdem: „Wie kann ich diese Erfahrung nutzen, so dass etwas Ähnliches weder mir noch Menschen um mich herum wieder passieren kann?“

Glaubt mir: es ist eine harte Arbeit gewesen – mehrere Jahre lang – bis ich mein Selbstbewusstsein wieder zurückhatte und bis ich wusste, dass ich mit jedem/r – auch mit Menschen mit NPS – erfolgreich kommunizieren kann.

Mein Glück hängt nur von mir allein ab. Mein Selbstwert hängt allein davon ab, was ich von mir selbst denke. Ich genieße dieses Gefühl total und fühle mich mächtig: Wie eine Königin in meinem Königreich – in meiner inneren Welt.

Was wird einem Opfer wirklich helfen

Es wird „Opfern“ von Narzissmus nicht geholfen, wenn man sie bemitleidet und ihnen in allem Recht gibt.

Es wird ihnen nur geholfen, wenn man ihnen beibringt stark zu sein und ihren Selbstwert von nichts und niemanden abhängig zu machen.

Starke Persönlichkeiten können niemals Opfer von jemandem werden. Selbst wenn die Situation ungünstig ist, werden sie wissen, was ihnen guttut und auf der Basis dieses Wissens entsprechende Entscheidungen treffen.

Sie werden sich niemals aufopfern. Denn das ist genau, was die Opfer von Narzissten tun: Sie opfern sich selbst auf und machen es den manipulativen Persönlichkeiten all zu leicht sie auszunutzen. Dann wachen sie auf und fühlen sich in ihren Erwartungen betrogen. Das waren aber ihre Erwartungen, nicht die Erwartungen des Anderen.  

Die eigentliche Frage, die wir eingehen sollten, ist nicht „Warum gibt es heutzutage so viele Narzissten?“, sondern „Was kann ich für mein glückliches und erfülltes Leben tun?“

Unser Schicksal ist nicht etwas, was einfach über uns „einbricht“. Wir kreieren es tatsächlich durch unsere Denkweisen und Entscheidungen. Jeder – wirklich jeder – verdient es eine gute Meinung von sich selbst zu haben – Menschen, die jemals „Opfer“ waren und Menschen, die jemals „Täter“ waren – wir haben immer die Chance, unser Leben zu verändern und das Beste daraus zu machen.
Auf meinem Blog habe ich eine Geschichte von Jorge Bucay geteilt: „Der wahre Wert des Rings“. Ich liebe diese Geschichte und ich glaube, dass sie beiden Seiten etwas bringen kann.

Viel Spaß beim Lesen!

Frau findet Freiheit. Sie geht auf die Blumenwiese

[i] https://lexikon.stangl.eu/307/narzissmus/

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Inquisition

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