Über interne Referenz – “Der wahre Wert des Rings”

Jorge Bucay hat wunderbare Geschichten gesammelt und geschrieben – Geschichten, die zum Nachdenken bewegen. “Der wahre Wert des Rings” ist eine Metapher, die Dir helfen wird Deine interne Referenz aufzubauen.

Was ist denn eine interne Referenz und warum ist sie so wichtig?

Interne vs. externe Referenz

Interne vs. Externe Referenz ist die Quelle Deiner Meinung über Dich selbst. 

Es gibt Menschen, die die Bestätigung anderer Menschen brauchen, um zu wissen, dass sie in etwas richtig gut sind. Diese Menschen haben eine starke externe Referenz.

Menschen, die von sich aus wissen, was sie gut und was sie nicht gut können, haben eine starke interne Referenz.

Starke interne Referenz ist extrem wichtig, denn sie macht Dich frei von auferlegten Autoritäten, unabhängig von den Meinungen der Masse, selbstbewusst und sicher in Bezug auf eigene Entscheidungen.

Der Psychologe Viktor Emil Frankl (1905 – 1997), selbst der Überlebende von Holocaust, hat festgestellt, dass die Gefangenen mit einer starken internen Referenz in der Lage waren, ihre Selbstwirksamkeit, Selbstbestimmtheit und ihre Wahlmöglichkeiten aufrechtzuerhalten, obwohl ihr Leben in einem Konzentrationslager offensichtlich höchstgradig fremdbestimmt war. Als Folge hatten diese Gefangenen bessere Überlebenschancen als alle anderen.

Auch Krebspatienten, die trotz der Ankündigung des nahen Todes überlebt haben, erweisen eine starke Interne Referenz auf. Diese Interne Refrenz trieb sie an nach alternativen Heilungsmöglichkeiten zu suchen, anstatt passiv den Urteil der Experten zu akzeptieren.

In der Kommunikation mit schwierigen Menschen hilft Dir Deine starke interne Referenz Deine Meinung zu vertreten. Dadurch, dass Du entspannt und gelassen bleibt, findest Du bessere Argumente, zeigst Dich auf der Höhe der Situation und erreichst letztendlich Dein Verhandlungsziel leichter.

Mehr dazu lies in meinem Artikel “Achtsame Kommunikation”.

Die Metapher “Der wahre Wert des Rings” wird Dir helfen, Deine interne Referenz aufzubauen. Du bist wertvoll, und niemand kann darüber besser urteilen als Du selbst.

Geniesse die Geschichte und erzähle sie weiter.

Der wahre Wert des Rings

Auszug aus “Komm, ich erzähle dir eine Geschichte” von Jorge Bucay
Ein Mann stellt sich selbst stark vor. Er hat eine starke interne Referenz.

„Meister, ich bin gekommen, weil ich mich so wertlos fühle, dass ich überhaupt nichts mit mir anzufangen weiss. Man sagt, ich sei ein Nichtsnutz, was ich anstelle, mache ich falsch, ich sei ungeschickt und dumm dazu. Meister, wie kann ich ein besserer Mensch werden? Was kann ich tun, damit die Leute eine höhere Meinung von mir haben?“

Ohne ihn anzuschauen, sagte der Meister: „Es tut mir sehr leid, mein Junge, aber ich kann dir nicht helfen, weil ich zuerst mein eigenes Problem lösen muss. Vielleicht danach…“

Er machte eine Pause und fügte dann hinzu: „Wenn du zuerst mir helfen würdest, könnte ich meine Sachen schneller zu Ende bringen und mich im Anschluss eventuell deines Problems annehmen.“ 

„S…sehr gerne Meister“, stotterte der junge Mann und spürte, wie er wieder einmal zurückgesetzt und seine Bedürfnisse hintangestellt wurden.

„Also gut“, fuhr der Meister fort. Er zog einen Ring vom kleinen Finger seiner linken Hand, gab ihn dem Jungen und sagte: „Nimm das Pferd, das draussen bereitsteht, und reite zum Markt. Ich muss diesen Ring verkaufen, weil ich eine Schuld zu begleichen habe. Du musst unbedingt den bestmöglichen Preis dafür erzielen, und verkaufe ihn auf keinen Fall für weniger als ein Goldstück. Geh und kehre so rasch wie möglich mit dem Goldstück zurück.“

Der Junge nahm den Ring und machte sich auf den Weg. Kaum auf dem Markt angekommen, pries er ihn den Händlern an, die ihn mit einigem Interesse begutachteten, bis der Junge den verlangten Preis nannte. Als er das Goldstück ins Spiel brachte, lachten einige, die anderen wandten sich gleich ab, und nur ein einziger alter Mann war höflich genug, ihm zu erklären, dass ein Goldstück viel zu wertvoll sei, um es gegen einen Ring einzutauschen. Entgegenkommend bot ihm jemand ein Silberstück dazu an, dazu einen Kupferbecher, aber der Junge hatte die Anweisung, nicht weniger als ein Goldstück zu akzeptieren, und lehnte das Angebot ab.

Nachdem er das Schmuckstück jedem einzelnen Marktbesucher gezeigt hatte, der seinen Weg kreuzte – und das waren nicht weniger als hundert -, stieg er, von seinem Misserfolg niedergeschlagen, auf sein Pferd und kehrte zurück.

Wie sehr wünschte sich der Junge, ein Goldstück zu besitzen, um es dem Meister zu überreichen und ihn von seinen Sorgen zu befreien, damit der ihn mit Rat und Tat zur Seite stehen konnte.

Er betrat das Zimmer.

„Meister“, sagte er, „es tut mir leid. Das, worum du mich gebeten hast, kann ich unmöglich leisten. Vielleicht hätte ich zwei oder drei Silberstücke dafür bekommen können, aber es ist mir nicht gelungen, jemanden über den wahren Wert des Ringes hinwegzutäuschen.“

„Was du sagst, ist sehr wichtig, mein junger Freund“, antwortete der Meister mit einem Lächeln. „Wir müssen zuerst den wahren Wert des Rings in Erfahrung bringen. Steig wieder auf dein Pferd und reite zum Schmuckhändler. Wer könnte den Wert des Rings besser einschätzen als er? Sag ihm, dass du den Ring verkaufen möchtest, und frag ihn, wie viel er dir dafür gibt. Aber was immer er dir dafür bietet: Du verkaufst ihn nicht. Kehre mit dem Ring hierher zurück.“

Und erneut machte sich der Junge auf den Weg. Der Schmuckhändler untersuchte den Ring im Licht einer Öllampe, er besah ihn durch seine Lupe, wog ihn und sagte: „Mein Junge, richte dem Meister aus, wenn er jetzt gleich verkaufen will, kann ich ihm nicht mehr als achtundfünfzig Goldstücke für seinen Ring geben.“

„Achtundfünfzig Goldstücke?“ rief der Junge aus.

„Ja“, antwortete der Schmuckhändler. „Ich weiss, dass man mit etwas Geduld sicherlich bis zu siebzig Goldstücke dafür bekommen kann, aber wenn es ein Notverkauf ist…“

Aufgewühlt eilte der Junge in das Haus des Meisters zurück und erzählte ihm, was geschehen war.

„Setz dich“, sagte der Meister, nachdem er ihn angehört hatte.

„Du bist wie dieser Ring: ein Schmuckstück, kostbar und einzigartig. Und genau wie bei diesem Ring kann deinen wahren Wert nur ein Fachmann erkennen. Warum irrst du also durch dein Leben und erwartest, dass jeder x-Beliebige um deinen Wert weiss?“

Und noch während er dies sagte, streifte er sich den Ring wieder über den kleinen Finger der linken Hand.

Quelle: “Komm, ich erzähl dir eine Geschichte” von Jorge Bucay

Kann ein Narzisst geheilt werden?

Kann ein Narzisst geheilt werden?

Ein Narzisst bzw. eine Narzisstin kann nicht geheilt werden, jedenfalls ist das eine offizielle wissenschaftliche Meinung. (Vergleiche: https://lexikon.stangl.eu/307/narzissmus/ )


Es gibt allerdings Ereignisse im Leben, welche jeden Menschen – darunter auch Narzissten – komplett verändern können. Es sind immer traumatische Ereignisse, solche wie Krieg, Verlust oder Gefahr. Die Art der Veränderung hängt von der jeweiligen Person ab.

Die Veränderung einer anderen Person hängt allerdings nicht von Dir ab!

Wenn Du erhoffst, dass eine Person, die Dir immer und immer wieder weh tut, sich irgendwann durch Deine grenzenlose Liebe ändert, wirst Du enttäuscht werden. Ein Narzisst bzw. eine Narzisstin kann mit Alter an Einsicht und Erfahrung gewinnen und ruhiger werden. Er oder sie kann sich nur aus eigener Kraft verändern. Alles andere wird nicht funktionieren.

Die einzige Möglichkeit für Dich ist diese Person zu verlassen und ihr die Möglichkeit zu geben sich selbst zu verändern.

Die Möglichkeit liegt im sogenannten post-traumatischen Wachstum. Das passiert, zum Beispiel, wenn Partner, nachdem sie eine toxische Beziehung geführt haben, sich trennen, ein eigenes Leben aufbauen, aus eigenen Fehlern lernen, wachsen und bewusst positive Kommunikation sowie positive Verhaltensweisen zu ihrer täglichen Gewohnheit machen.

Solche Verhaltensweisen basieren auf Toleranz und Offenheit und auf einer positiven Sicht auf drei folgende Aspekte:

  • Eigene Person
  • Den/die Partner/in
  • Die Welt um sie herum

Menschen, die prinzipiell mehr Positives in ihrem Leben sehen, leben glücklicher, unbeschwerter und ziehen automatisch glückliche und positive Menschen in ihr Leben. Unser alltägliches Leben besteht aus einer Reihe an Gewohnheiten – gleichermassen den positiven und den negativen Gewohnheiten. Narzissten sind nicht von Grund auf böre. Sie sind gefangen in ihren schlechten Gewohnheiten. Die Gewohnheiten zu verändern ist schwierig, aber nicht unmöglich. Jeder Mensch kann das. Aus diesem Grund spricht prinzipiell nichts dagegen, dass auch ein Narzisst oder eine Narzisstin eine postive Sichtweise erlernen und in sein / ihr Leben

Wie haben die Forscher das herausgefunden? Sie haben einfach Frauen untersucht, die in glücklichen langfristigen Beziehungen gelebt haben. Genau diese drei Aspekte fielen in ihrem Verhalten auf.

Dein Risiko:

Die Rechnung geht nicht auf und Du verlierst die Person, von der wir gerade sprechen, für immer.

Deine Chancen:

  • Du selbst wirst glücklicher und zufriedener
  • Du wirst erfolgreicher, weil Du keine Angst mehr haben wirst Fehler zu machen
  • Du wirst selbstbewusster
  • Du wirst beliebter
  • Es wird Dir irgendwann mal nicht mehr darum gehen diese eine Person zu „retten“

Wenn Du sie nach einigen Jahren wieder triffst, wirst Du genau sagen können, ob eine neue Beziehung mit ihr diesmal funktionieren würde oder nicht. Du wirst Dich nicht mehr vom „brillanten Auftritt“ dieser Person blenden lassen, sondern Du wirst genau wissen, auf welche Charaktereigenschaften Du diesmal achten musst. Du wirst wissen, ob diese eine Person für eine neue Beziehung bereit ist oder nicht.  Und dann kannst Du entscheiden: Hat Eure Liebe alle Änderungen überdauert und ist immer noch da?

Ich weiß, dass das möglich ist. Ich weiß, dass Menschen auch nach 10, 20 und sogar 30 Jahren Trennung zueinander finden. Auch einst schwierige, toxische Menschen. Möglich ist es, Garantie gibt es nicht.

Was Du eines Tages aber verstehen wirst, ist, dass diese Trennung auch Dein post-traumatisches Wachstum ausgelöst hatte und dass es nicht umsonst war. Du wirst dankbar sein, dass Du lernen konntest, wie eine glückliche und erfüllte Beziehung geht. Du wirst Menschen treffen, die Dich als eine Bereicherung für ihr Leben sehen werden. Du wirst von ihnen Wertschätzung und Fürsorge erfahren. Und Du wirst entdecken, dass Du nichts dafür tun musst, um geliebt zu sein: Du bist Grund genug – einfach weil es Dich gibt und genau wie Du gerade bist…

Wie Du Dich erst gar nicht in den Falschen verliebst, lies hier: Wie verliebst Du Dich nicht in den Falschen?