Untreue in Beziehungen

Ein zerrissenes Foto eines Paars. Womöglich würde es nach einer Untreue zerrissen.

Die Untreue gehört zu den schwerst belastenden Problemen in Beziehungen.[1] Sie ist mehr als ein Vertrauensbruch, denn die Betrogenen empfinden die Untreue als eine der schwersten psychischen Belastungen in ihrem Leben. Als Folge übertragen sie unbewusst ihre negative Erfahrung auf weitere Partner, belasten damit ihre neuen Beziehungen, und haben Schwierigkeiten sich emotional zu öffnen und zu binden – manche von ihnen ein Leben lang.

Folgen von Untreue für die Betrogenen

Aus einer wissenschaftlichen Befragung [2] geht hervor, dass die Betroffenen oft unter posttraumatischen Belastungsstörungen wie Depressionen, Angstattacken oder Herzrhythmusstörungen leiden. Diese Befragung umfasste 3334 heterosexuellen Männern und Frauen (jeweils 34 % und 66 %), deren Partner fremdgegangen waren, und ist somit repräsentativ und aussagekräftig.

Diese Studie ergab außerdem, dass ein Seitensprung nur in seltenen Fällen ein One-Night-Stand war. In zwei Drittel Fällen dauerten die Affären länger als einen Monat an.[3] Die Situationen, bei welchen eine Affäire noch nicht beendet war, als die Betrogenen davon erfuhren, belasteten die Betroffenen am schlimmsten und hinterliessen die schwersten Folgen.

Erklärungen von Untreue aus der evolutionären Perspektive

Es wurde mehrfach versucht die Untreue wissenschaftlich zu erklären. Einige Autoren wie Robin Baker und Christopher Ryan erklären die Untreue als Bestreben eigene Gene zu streuen und an möglichst mehrere Personen weiterzugeben.

Kann das wirklich eine ausreichende Entschuldigung dafür sein angesichts der schlimmen Folgenden für den Partner bzw. die Partnerin? Wohl nicht, und die Wissenschaftler erklären warum.

Die Entwicklung des menschlichen Gehirns

Die Entwicklung der Menschen im Laufe der Evolution stellte eine Reihe der wichtigen Anpassungen an die sich verändernde Umwelt dar.

Am deutlichsten kann man diese Entwicklung am Beispiel unseres Gehirns beobachten. Laut der neuesten Studien der Neurowissenschaft, sind die früher entwickelten Teile des Gehirns diejenige, die auch bei Tieren vorhanden sind. Das sind Teile, die vor allem für unsere Sinneswahrnehmung zuständig sind.

Es ist witzig zu beobachten, dass manche Gehirnteile bei uns im Vergleich zu Tieren fast schon unterentwickelt wirken. Als Beispiel vergleiche den Riechkolben bei einem Menschen und einer Ratte. Menschlichen Riechkolben kann man kaum erkennen, wogegen Ratten über einen sehr gut ausgeprägten Riechkolben verfügen und wohl aus diesem Grund “Experten” im Riechen sind.

Gehirn der Menschen vs. Gehirne der Tiere

Genau das Gegenteil gilt für Teile des Gehirns, die wir für Sprache und Kognition nutzen. Diese Teile haben sich viel später in der Evolution herausgebildet. Und doch nehmen sie einen Löwenanteil des Gehirns bei uns ein. Diese Teile müssen also sehr wichtig für unser Überleben und unsere evolutionäre Entwicklung gewesen sein. Und tatsächlich sind das genau die Teile, die für so etwas zuständig sind wie Sprache, soziales Verhalten, Erklärungen über die Welt und unsere eigene Bedeutung in dieser Welt; die Vorstellungen und die semantischen Begriffe.

Darunter fallen auch die Ideen über Vertrauen, Ehe, Familie, etc.

Vertrauen und Bindung als soziale Investition

In unserem Kulturkreis sind nur monogame Partnerschaften sozial akzeptiert. Wenn wir also eine Beziehung eingehen, dann geben wir dem Partner oder der Partnerin einen extremen Vertrauensvorschuss. Denn ab diesem Punkt teilen wir mit ihm oder ihr unser ganzes Leben: Unser physisches und psychisches Wohlbefinden, unsere Träume und die Pläne für die Zukunft, unser Hab und Gut, unser Haus, unsere Kinder, unsere Finanzen, unsere Rente, auch unser Versprechen bei Krankheiten und finanziellen Sorgen einander zu unterstützen. Mit anderen Worten, gehen wir ein extremes Risiko ein, indem wir uns exklusiv für diesen einen Partner oder diese einen Partnerin entscheiden und ihm oder ihr unser Vertrauen schenken.

Die Wissenschaftler haben den Begriff eines Vertrauensvorsprungs (“leap of faith”) als den Glauben definiert, dass der Partner oder die Partnerin sich weiterhin liebevoll verhalten wird, und zwar unanhängig davon, was in der Zukunft passiert. Genau das gibt uns emotionale Sicherheit in einer Beziehung .[4]

Es geht also bei einem Seitensprung um so viel mehr als nur Sex. Der Seitensprung in einer Liebesbeziehung zeigt dem oder der Betrogenen, dass er oder sie eine grundlegend falsche jahrelange soziale Investition getätigt hatte, indem er oder sie sich selbst, das eigene Wohlbefinden und die eigenen Kinder dem oder der Falschen anvertraut hatte. Und das ist bitter.

Wir sind soziale Wesen und haben nur als Gruppe in dieser Welt überleben können. Einerseits haben wir gelernt, dass das Vertrauen eine Voraussetzung für das Zusammenleben ist. Andererseits versuchen wir stätig unsere Chancen auf ein besseres Leben zu ergreifen. Wenn jemand mit der Situation nicht zufrieden ist und einen Betrug plant, hat er oder sie eine schwere Entscheidung zu treffen, nämlich darüber, was mehr aufwiegt – die vermuteten Vorteile oder die möglichen Risiken, wenn die Untreue auffliegt.

Sind Menschen generell auf die Untreue ausgelegt?

Ich halte die Frage nach einer generellen Untreue der Menschen für extrem wichtig. Vor allem darum, weil diese Frage zwei gleichermaßen populäre wie gefährliche Glaubensätze offenlegt – Glaubensätze, die die Menschen einsam und misstrauisch anderen Menschen gegenüber machen können. Ich finde, dass diese zwei Glaubensätze dafür verantwortlich sind, dass Menschen in unserer Gesellschaft trotz der vielen Kommunikationsmöglichkeiten vereinsamen und an sich selbst und anderen zweifeln. Ich halte das für eine gefährliche Entwicklung. Das muss so nicht bleiben…

Zwei populäre und gefährliche Glaubensätze

Diese zwei – aus meiner Sicht, falsche – Glaubensätze sind:

  1. Menschen SIND etwas [zum Beispiel: treu, untreu, ehrlich, unehrlich, etc.]
  2. Das, was Menschen TUN (zum Beispiel: das Betrügen oder das Fremdgehen) ist aus der Natur der Menschen zu erklären und nicht aus den Umständen
Worauf sind Menschen „ausgelegt“ und worauf sind wir „nicht ausgelegt“?
Ein Paar ist glücklich beim Essen. Ein Mann und eine Frau lächeln einander zu.

Menschen sind überhaupt nur auf wenige Dinge „ausgelegt“. Wir sind ausgelegt etwas zu essen, zu trinken und zu atmen (logisch: sonst sterben wir); wir sind darauf ausgelegt, Kleidung zu tragen (wir haben ja kein Fell mehr und es ist doch manchmal kalt) und wir sind darauf ausgelegt soziale Lebewesen zu sein. Wir kommunizieren sehr gern, wir sind neugierig, wir lieben Klatsch und Tratsch und wir wollen gern wissen, wer was mit wem macht – und all das hat einen evolutionären Grund. Wir sind zu dem geworden, was wir sind, weil wir uns um unser Überleben kümmern (Essen, Trinken, Atmen) und weil wir neugierig und sozial sind.
Was nicht ausgelegt ist, ist:

  • Was wir genau essen, trinken oder atmen
  • Welche Kleidung genau wir tragen
  • Wofür genau wir neugierig sind

Das heißt, unsere Vorlieben und Abneigungen, unsere Entscheidungen, Werte, Lebensentwürfe, unsere Wünsche und Pläne, unsere Ziele, unser Selbstbild, Menschenbild und Weltbild sind nicht „ausgelegt“.

All das ist das Produkt unserer bewussten und unbewussten Entscheidungen.

Entscheidungsfreiheit der Menschen

Das heißt, im Falle einer Beziehung entscheiden wir uns jedes Mal aufs Neue, wie wir uns zu verhalten haben. Es ist klar, dass wir manchmal aus Bequemlichkeit in Mustern handeln. Aber diese Muster sind nicht etwas, was wir nicht jederzeit ändern könnten.

Als Beispiel, weißt Du genau, dass Du gleich sofort aufstehen und zum Sport gehen, Dir danach eine gesunde Mahlzeit zubereiten und dasselbe jeden Tag wiederholen konntest. Du macht das alles womöglich nicht, weil Dir die richtige Motivation fehlt, aber können tust Du schon!

Ob Du das tust oder nicht, ist Deine Entscheidung. Das bedeutet, dass Du Dich jeden Tag aufs Neue entscheidest, ob Du zum Sport gehst, Dich gesund ernährst oder eben nicht.

Lerne, wovon Deine Beziehung profitiert

Wir lernen im Laufe des Lebens kontinuierlich. Manchmal ist uns das Lernen bewusst, aber in den meisten Fällen ist es uns absolut unbewusst. Und dennoch je mehr Du von etwas lernst, je mehr Du Dich mit etwas beschäftigst, desto besser wirst Du darin. Ist das nicht so?

Die Beziehungen sind da keine Ausnahme. Es ist mir bewusst, dass ich gerade angesichts der so vielen Trennungen eine unpopuläre Meinung vertrete, aber ich bin fest davon überzeugt, dass eine gesunde Beziehung kein Zufall ist, sondern kreiert werden kann, wenn man sich bewusst dafür entscheidet.

Mehr als das:

Eine gesunde Beziehung wird mit jedem Jahr immer schöner und die Sexualität in dieser Beziehung immer erfüllender.

Niemand kennt Dich so gut, wie Dein/e langjährige/r Partner/in. Und niemand weiß, was Dir (auch im Bett) gefällt und was nicht. Niemand kann Dich so berühren wie Dein/e langjährige/r Partner/in, Dir genau die richtigen Worte ins Ohr flüstern und Dich küssen wie sie oder er…

Und das erklärt auch das Phänomen, warum Ex-Partner so oft Sehnsucht nach einander haben. Die Kommunikation funktioniert nicht und die Beziehung liegt in Trümmern, aber die Sehnsucht ist trotzdem da und sorgt dafür, dass der oder die Nächste nach demselben Muster ausgesucht wird.

Ist Dir schon aufgefallen, dass Menschen sich immer wieder eine/n Partner/in aussuchen, der/die dem/der Ex in vielerlei Hinsicht sehr ähnlich ist?

Eigentlich sind Menschen auf die Treue „ausgelegt“, nicht aufs „Betrügen“.

Eine innige Umarmung, die eine Untreue nicht vermuten lässt.
Wie ist dann die Untreue zu erklären?

Es gibt viele Ursachen für die Untreue, aber wenige Gründe.

Die Untreue ist eigentlich erst dann möglich, wenn die Beziehung nicht funktioniert. Die Untreue ist nicht per se schlecht, sie ist einfach nur ein Indikator dafür, dass etwas in der Beziehung schiefgelaufen ist.

Mit anderen Worten: Die dritte Person ist nicht wichtig, denn um sie geht es gar nicht. Es geht nach wie vor um zwei Menschen, die miteinander eine Beziehung führen und auf die eine oder andere Weise signalisieren, dass es ihnen in dieser Beziehung nicht gut geht.

Die Untreue ist ein verzweifelter Versuch, eine festgefahrene negative Situation zu verändern.

Was genau kann in Beziehungen schieflaufen?

Erinnerst Du Dich daran, worauf Menschen „ausgelegt“ sind? Essen, Trinken, Luft, Kleidung und unser soziales Leben sind Artefakten, die wir essentiell brauchen, um zu überleben.

Eine Beziehung läuft schief dann, wenn sie die Betroffenen so sehr eingrenzt und unter Druck setzt, dass etwas von diesen essenziell wichtigen Dingen nicht mehr ausgeübt werden kann.

Das klingt seltsam, aber jene von Euch, die eine toxische Beziehung erlebt haben, wissen, wovon ich rede:

Eine ungesunde Beziehung ist nicht bloß ein Begriff. Eine solche Beziehung macht Menschen tatsächlich auch körperlich krank. Sie nimmt Luft zum Atmen, sie isoliert sozial und macht einsam, sie produziert eine Reihe von Essstörungen, Allergien, Essensunverträglichkeiten und psychosomatischen Beschwerden.  

Was gehört zu einer gesunden Beziehung

Das Paradox: Keiner der Partner plant so etwas von Beginn an! Jeder, wirklich JEDER! – kommt in die Beziehung mit einer guten Intention und will den/die Andere/n glücklich machen!

Die Sache ist die, dass Menschen verlernt haben zu kommunizieren!

Menschen kommen in eine Beziehung mit einer bestimmten Vorstellung darüber, wie diese Beziehung auszusehen hat. Wenn beide Partner sich an ihrer eigenen Vorstellung festhalten und nicht bereit sind flexibel zu sein und dazuzulernen, wenn jede/r von ihnen die gute Intention des/der Anderen übersieht, dann hat die Beziehung ein Problem.

Die Untreue ist der Versuch, eine andere Vorstellung von einer Beziehung zu finden – eine, die besser zu der eigenen passen würde.

Weil Menschen glauben, dass wir etwas SIND, glauben sie auch, dass diese Vorstellung nicht veränderbar ist.  Und so scheint erst einmal logisch, dass eine andere Person gesucht werden muss… Und der Kreislauf startet neu…  

Welche alternativen Lösungen sind anstatt der Untreue und der Trennung möglich?
Menschen sitzen an Tischen in einem Restaurant. Woran erkennst Du die verheiratete Paare? Daran, dass sie nicht miteinander reden. Der Kommunikationsmangel kann zur Untreue führen.

Woran erkennst Du in einem Restaurant Paare, die verheiratet sind?

Richtig! Sie sprechen nicht miteinander.

Bei einigen mag das daran liegen, dass sie sich schon gut kennen. Sie kommunizieren ohne viel sagen zu müssen.

Bei anderen liegt das daran, dass sie aufgegeben haben etwas zu sagen, weil alles, was sie sagen, zum Streit führt und umgedreht und missinterpretiert wird.

Wenn Deine Beziehung sich nicht gut anfühlt, wenn Du Dich eingeengt fühlst, wenn Du Dich permanent rechtfertigen musst, bedeutet das noch lange nicht, dass Du fremdgehen oder Dich trennen musst, um wieder verstanden zu werden.

Das bedeutet nur, dass Deine Kommunikation in der Partnerschaft verbessert werden muss.

Starte Änderungen im eigenen Kommunikationsverhalten, nicht im Verhalten Deines Partners oder Deiner Partnerin

Immer wieder sehe ich, wie kleine Änderungen in der eigenen Person Wunder in der Paar-Beziehung bewirken.

Wenn ich manchmal um eine Prognose über eine bestimmte Beziehung gebeten werde, weigere ich mich mittlerweile etwas zu sagen, denn ich habe schon Beziehungen erlebt, die auf die erste Sicht keine Chance auf Bestehen hatten, weil die zwei so erbittert wirkten und scheinbar unmittelbar vor dem Beziehungsende standen. Und dennoch nach einem halben Jahr konnte man das Paar nicht mehr erkennen – so glücklich zusammen, so in sich geruht und ihrer Zukunft sicher.  

Es geht nichts über eine gute Kommunikation und eine Vision Deiner erfolgreichen Beziehung.

Weißt Du, vielleicht wäre es einfacher zu sagen, dass Menschen darauf ausgelegt sind, den Partner zu betrügen… und vielleicht wäre es einfacher dann sich in den eigenen vier Wänden einzusperren und keinem oder keiner mehr zu vertrauen… Einfacher schon, nur glücklicher würde es Dich nicht machen.

Du bist nicht „ausgelegt“ – Du hast immer eine Wahl:

Darüber, was Du genau glauben willst, welche Entscheidungen genau Du treffen wirst und welche Ziele und Visionen genau Du in Deinem Leben verfolgen möchtest…

Ich wünsche Dir vom ganzen Herzen viel Erfolg und viel Liebe!

Ein Liebespaar, dass nur Augen für einander hat. Die Untreue ist in diesem Augenblick nicht möglich.

Erfahre mehr über den Seitensprung in Beziehungen, sowie wie Du das Vertrauen aufbaust und testest.

Warum ist guter Umgang wichtig?

„Ich kann zwei Monate von einem netten Kompliment leben.“

Mark Twain

Warum ist guter Umgang so wichtig? Weil guter Umgang Dein Leben und das Leben der Menschen in Deiner Umgebung schöner, entspannter und einfacher macht.

Wir haben eine begrenzte Zeit hier in diesem Leben zu verbringen. Was am Ende des Lebens zählen wird, ist nicht Deine Karriere, Dein Kontostand, der Ort, an dem Du lebst und sogar nicht Dein Familienstand oder die Anzahl Deiner Kinder…  

Menschen im Alter, die darüber urteilen, ob ihr Leben erfolgreich war oder nicht, urteilen darüber allein anhand der Qualität ihrer zwischenmenschlichen Beziehungen.

Du hast sicherlich schon beide Extreme in Deinem Leben getroffen:

Verärgerte ältere Menschen, denen man nie Recht machen kann, auf der einen Seite und auf der anderen Seite zufriedene Senioren, die ihr Leben aktiv genießen, oft eine Mentorenrolle gegenüber den Jüngeren einnehmen und ihre Großkinder übermäßig verwöhnen (denn das dürfen sie ja jetzt endlich mal 😊).

Wenn Du eine Wahl hättest, in welcher Familie wärst Du gerne aufgewachsen – in einer mit einem liebevollen Umgang oder in einer, in der man nie Recht machen kann?

In Paarbeziehungen ist es nicht anders:

Die Wissenschaftler aus dem Relationship Research Institute in Seattle haben Sprachverhalten der Paare untersucht. Sie ließen Paare über ein Thema diskutieren, bei dem sie sich nicht einig waren.

Dabei stellte sich heraus, dass Paare, die miteinander freundlich umgegangen sind, drei Jahre später immer noch zusammen waren.

Das Verhältnis von positiven und negativen Aussagen betrug bei ihnen 5:1.

Die Paare, deren positive und negative Aussagen im Verhältnis 1:1 standen, waren nach drei Jahren bereits getrennt.

Noch einmal, weil das so wichtig ist: Das Verhältnis 5:1 während eines Streits!

In der alltäglichen Kommunikation – also nicht in einem Streit – sollte das Verhältnis mindestens 10:1 sein.

Ich glaube, es ist nicht die Frage, warum guter Umgang wichtig ist, sondern wie können wir guten Umgang in unserem täglichen Leben praktizieren – ganz selbstverständlich und aus einer guten Gewohnheit heraus?

Der Schlüssel zu einem guten Umgang liegt in Deinem emotionalen Zustand, in Deiner grundsätzlich positiven Einstellung zu Dir selbst, zu Menschen in Deiner Umgebung und zu Welt allgemein.

Es gibt drei Regeln, an die Du Dich halten musst – wirklich nur drei. Wenn Du Dich an sie hältst, erlebst Du die Beziehungen mit denselben Personen in Deinem Leben plötzlich in einer neuen Qualität – warm und geborgen, mit mehr Respekt und Vertrauen. Versuch es einmal!

Regel 1: Die Intention zählt

Warum, glaubst Du, ist Dein/e Partner/in mit Dir zusammen? Warum überhaupt kommen Menschen zusammen und versuchen etwas aufzubauen? Sicherlich nicht um sich gegenseitig unglücklich zu machen. Wenn wir zusammenkommen – egal in welcher Form – kommen wir, weil wir uns von der Interaktion miteinander mehr Glück und Lebenszufriedenheit versprechen. Wir wollen glücklich sein und wir wollen Menschen in unserer Umgebung glücklich sehen, nicht wahr?

Insbesondere in einer Streitsituation istes wichtig das große Ganze nicht aus den Augen zu verlieren – worauf es letztendlich ankommt: Liebe, Zweisamkeit und Unterstützung.

Wenn Du im Gespräch merkst, dass Du und Dein/e Partner/in Euch langsam in einen Streit hinbewegt, mach eine Pause, atme tief ein und aus und ändere physisch Deine Position im Raum. Lenke Deine Aufmerksamkeit auf Deine Umgebung – die Formen, die Farben, die Geräusche und die Gerüche. Wenn Du alle Deine Sinne nutzt, wirst Du Dich seelisch entspannen und offen für Perspektivenwechsel werden.

Versuche das Streitobjekt aus den Augen Deines Gegenübers heraus – aus seiner Perspektive – wahrzunehmen. Dein Ziel ist jetzt mindestens 3 positive Gründe für die Meinung zu finden, die Dein Gegenüber vertritt.

Geh IMMER davon aus, dass Dein/e Partner/in eine positive Intention mit ihrem/seinem Handeln verfolgt. Denn am Ende des Tages alles, was sie oder er möchte, ist glücklich zu sein und Dich glücklich zu sehen. Bitte, würdige das.

Regel 2: Fehler sind erlaubt und willkommen

Überlasse Deiner/m Partner/in die Verantwortung für das eigene Handeln. Solltest Du glauben, dass sie oder er gerade einen Fehler macht, mach Dir klar, dass dies nur Deine Meinung ist: Du kannst es nicht mit Sicherheit wissen. Außerdem, selbst wenn das ein Fehler ist, wird sie oder er daran wachsen. Es ist ihr/sein Fehler und jeder – auch Du – hat das Recht auf eigene Erfahrungen und auch eigene Fehler.

Ich bitte oft meinen kleinen Sohn mir über seine Fehler zu erzählen, die er in der Schule gemacht hat. Und ich lobe ihn dafür. Damit möchte ich erreichen, dass er keine Angst vor Fehlern hat. Ich bringe ihm bei, seine Fehler als Chance zu sehen, Erfahrungen zu machen und daraus zu lernen.

Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass fehlerresistente Menschen erfolgreicher sind: Sie lassen sich nicht durch ihre Niederlagen entmutigen und demotivieren. Wenn wir gegenüber unseren Fehlern resistent sind, versuchen wir aufs Neue, immer und immer wieder, das zu erreichen, was wir wollen. Wie ein Baby, das Laufen lernt: Was wäre, wenn wir damals Angst hätten Fehler zu machen? Wir würden immer noch auf dem Bauch kriechen. Genau so ist das mit jedem anderen Ziel: In der Schule, im Studium, im Business, in unserem Privatleben – aus unseren Fehlern lernen wir das größtmögliche Potenzial zu erreichen.

Regel 3: Mache Komplimente

Am Anfang einer Beziehung machen wir ständig einander Komplimente und das ist oft der Grund, warum wir uns in der Verliebtheitsphase so großartig fühlen: „Ach, endlich sieht mich jemand wie ich wirklich bin…“ 😊

Deine Beziehung wird davon profitieren, wenn Du Deiner/m Partner/in (und allgemein jeder anderen Person in Deinem Leben) hin und wieder ein ernst gemeintes Kompliment aussprichst.

Diese Wertschätzung ist wie ein Feuer: Man zündet es an, man gibt gut getrocknetes Holz (Brennstoff) und es brennt mehrere Stunden oder Tage, bleibt in Erinnerung und wärmt das Herz.

Ernst gemeinte Komplimente sind eine unglaubliche Motivation. Die Studien über langjährige erfolgreiche Paare haben ein interessantes Phänomen ans Licht gebracht:

Nämlich, dass erfolgreiche Paare im Laufe der Zeit sich gegenseitig „formen“, indem sie Komplimente aussprechen (siehe Michelangelo-Effekt: https://swetlanascoaching.com/kommunikation-der-erfolgreichen-paare-der-michelangelo-effekt/)
Nach einem guten Kompliment versuchen die Partner die gute Meinung von sich weiterhin zu unterstützen und legen sich noch mehr ins Zeug.

Wir alle möchten eine gute Meinung über sich selbst haben. Kritik tut uns nicht wirklich gut. Kannst Du Dich erinnern, dass Du Dein Verhalten jemals nur deswegen geändert hast, weil Du kritisiert wurdest?

Man muss sich wirklich wundern, warum so viele Menschen immer und immer wieder mit Kritik etwas zu erreichen versuchen, während das nie funktioniert.

In allen Arten von Beziehungen – Partner, Eltern und Kinder, Kollegen und Vorgesetzte – ist ein guter Umgang der Weg zur besseren und vor allem effektiveren Kommunikation. Und deswegen ist guter Umgang so wichtig.

Kommunikation der erfolgreichen Paare: der Michelangelo Effekt

Michelangelo Effekt ist bei vielen besonders glücklichen und zufriedenen Paaren beobachtet worden. Lese, wie er funktioniert.

Michelangelo Effekt ist bei vielen besonders glücklichen und zufriedenen Paaren beobachtet worden.

Michelangelo Effekt ist nach dem italienischen Bildhauer Michelangelo Buonarroti  benannt worden, der fähig war in dem lieferten Stück Marmor bereits eine Figur wahrzunehmen, selbst dann (oder gerade dann), wenn dieses Stück Marmor ungünstig geschnitten war. Michelangelo kaufte billige Stücke ein und kreierte daraus Statuen, deren Schönheit alle anderen übertraf. Nach seinen Aussagen hat er „einfach“ den überflüssigen Marmor entfernt und die Kunststücke „befreit“. Er sei in Einklang mit seiner Schaffung gewesen und sie gesehen, bevor sie überhaupt da war.

Michelangelo Effekt bei Paaren funktioniert ähnlich: Paare „formen“ sich gegenseitig, indem sie nur die besten Qualitäten von einander sehen und betonen. Mit der Zeit streben Paare an, der in sie gelegten Erwartung zu entsprechen.  Indem nur deren positive Eigenschaften „gespiegelt“ werden, „trainieren“ sie diese besonders gern und oft und erreichen somit das ideale Selbstbild.

Wie kannst Du Michelangelo Effekt konkret nutzen?

  • Fokussiere Dich auf die positiven Eigenschaften Deines Partners: Betrachte sie als ein fester Bestandteil von ihm und betone oft, wie stolz Du auf ihn bist
  •  Betrachte die negativen Eigenschaften als vorübergehend. Fehler sind NICHT die Eigenschaften einer Person, sondern ergeben sich aus der konkreten Situation und sind da, um daraus zu lernen. Am besten: blende sie einfach aus
  • Fokussiere Dich auf das positive in Deiner Beziehung im Allgemeinen: Zeige überschwänglich Deine Freude und Dankbarkeit jedes Mal, wenn Dein Partner etwas für Dich tut; betone, wie gut ihr zusammenpasst und wie glücklich Du mit ihm bist

Ich wünsche Dir viel Weisheit und Glück!

Alles Liebe,
Deine Swetlana 

Wie verhältst Du Dich in einem Streit?

Streit Kommunikation

In jeder Beziehung wird hin und wieder gestritten. In einem Streit kannst Du Deine Grenzen aufzeigen und Deine Interessen durchsetzen. Außerdem, lernst Du so einiges über Deinen Partner und über Dich selbst: Zum Beispiel, ob ihr immer noch respektvoll miteinander umgeht, wenn Emotionen hochsteigen und böse Worte wie von selbst herausplatzen… 
Wie meisterst Du die Kommunikation im Streit, so dass Du dennoch liebevoll bleibst?


Die Forscher von dem Relationship Research Institute in Seattle haben die Kommunikation der Paare untersucht. Sie ließen Paare über ein Thema diskutieren, bei dem sie sich nicht einig waren.

Dabei stelle sich heraus, dass Paare, die miteinander freundlich umgegangen sind, drei Jahre später immer noch zusammen waren.

Das Verhältnis von positiven und negativen Aussagen betrug im Streit bei ihnen 5:1.

Die Paare, deren positive und negative Aussagen im Verhältnis 1:1 standen, waren nach drei Jahren getrennt.


Hand aufs Herz: Wie ist das Verhältnis von positiven und negativen Aussagen in der Kommunkation in Deiner Beziehung? Und wie sieht dieses Verhältnis in einem Streit aus? Ist Dir schon einmal passiert, dass Du etwas sagen wolltest, und während Du den Satz noch nicht zu Ende gesprochen hast, dachtest Du schon: Das hätte ich nicht sagen sollen?

Hätte ich doch das nicht gesagt…

Und umgekehrt, ist Dir passiert, dass Du ein Gespräch Revue passieren ließ und dachtest: Dies und jenes hätte ich sagen müssen? Hast aber Dich nicht getraut?..

Im Grunde genommen, ist es einfach solche Situationen zu vermeiden, wenn Du einige Regeln der achtsamen Kommunikation beachtest.  

Achtsame Kommunikation

Regel Nummer 1: Antworte niemals, wenn Du Dich ärgerst

Wenn Du Dich gerade ärgerst, kannst Du nicht klar denken. Du bist emotional geladen und nicht objektiv. In diesem Zustand kannst Du Worte sagen, die Du 1000-Mal bereuen würdest. Und einmal gesagt, kannst Du deren Wirkung nie wieder rückgängig machen. Also:

Antworte niemals, wenn Du Dich ärgerst!

Regel Nummer 2: Kommuniziere nach Plan

Solltest Du merken, dass die Situation eskaliert, befolge einen Plan. Ich habe gute Erfahrungen mit folgendem Plan gemacht und kann ihn Dir herzlich empfehlen:

Verschiebe das Gespräch auf später

Atme tief ein und vollständig aus (3 bis 5 Atemzüge sollten reichen, um Dich zu beruhigen und klar denken zu können)

Fokussiere Dich auf Deine Umgebung:

  • Nimm die Farben im Raum wahr
  • Welche Geräusche kannst Du hören?
  • Kannst Du besondere Gerüche wahrnehmen?

Der psychologische Trick hinter diesem Plan ist einfach: Emotional geladene Menschen nutzen nur einen ihrer Sinne (sie nehmen ihre Umgebung entweder nur visuell wahr oder nur auditiv oder nur olfaktorisch, etc.) Wenn Du aber Fokus auf alle (oder zumindest drei Deiner Sinne) verteilst, beruhigst Du Dich automatisch und kannst Deine Emotionen kontrollieren.

Regel Nummer 3: Die THINK-Kommunikation

Denke über die Situation nach und beantworte Punkt für Punkt folgende Fragen (Ich gebe Dir ein Akronym, der Dir helfen wird, diese Fragen zu merken. Er heißt THINK):

T – wie Tatsachen: Entspricht das, was Du gerade sagen möchtest, den Tatsachen? Ist das objektiv wahr oder nur Deine subjektive Meinung?

H – wie Hilfreich: Kann die Information, die Du sagen möchtest, Dir oder Deinem Partner in irgendeiner Hinsicht helfen? Kann das, was Du sagen willst, die Situation tatsächlich verbessern?

I – wie Inspirierend: Ist das, was Du zu sagen hast, inspirierend, um weitere Ideen zu entwickeln? Trägt es kreativen Lösungen des Problems bei?

N – wie Notwendig: Ist diese Information, die Du sagen möchtest, überhaupt notwendig? Bedeutet sie einen Mehrwert? Bedeutet sie eine Bereicherung für Deine Beziehung?

K – wie Kenntnis: Kennst Du wirklich alles über diese konkrete Situation? Gibt es Fragen, die Du jetzt stellen würdest? Bist Du Dir sicher, dass Du die wahre Intention Deines Partners kennst?

Wenn Du dieser 3-Regeln Strategie folgst, wirst Du bald merken, dass es gar nicht so einfach ist Dich überhaupt aus der Ruhe zu bringen. Du wirst nicht nur besser kommunizieren:

Durch Gewohnheit achtsam zu denken und zu handeln, erhöhst Du Deine gesamte Lebensqualität:

Solche Sachen, zum Beispiel, wie Schlaflosigkeit, Unruhe, Konzentrationsmangel bei der Arbeit werden immer weniger eintreten.

Du wirst generell selbstbewusster und selbstsicherer auftreten. 

Menschen werden Dich anders wahrnehmen:

Da Du Kontrolle über Deine Worte hast, wird dem Gesagten von Dir automatisch mehr Gewicht und Wichtigkeit verliehen. Dein Partner (und auch andere Menschen in Deiner Umgebung) werden spüren, dass Deine Worte verbindlich und gut durchdacht sind.

Du wirst merken, wie viel mehr Liebe, Respekt und Dankbarkeit Dir entgegengebracht wird. 

Noch mehr über achtsame Kommunikation erfährst Du in meinem Beziehungsratgeber.

Bleib dran und viel Erfolg!

Alles Liebe,
Deine Swetlana