Vertrauen in engen Beziehungen

Vertrauen in engen Beziehungen, zusammengefasst von:

Holmes, J. G., & Rempel, J. K. (1989): Trust in close relationships. In: C. Hendrick (Ed.), Close relationships; Review of Personality and social psychology (Vol. 10, pp.187-220). Newbury Park, CA: Sage Publications

Vertrauen in engen Beziehungen

Vertrauen in engen Beziehungennimmt seinen Ursprung in der Dialektik zwischen den Hoffnungen und den Ängsten der Menschen.

Der ambivalente Zustand verleitet Menschen dazu, das Verhalten des Partners / der Partnerin zu bewerten und nach Zeichnen zu suchen, die möglicherweise das Gefühl der Unsicherheit minimieren können.

Als Folge, erreichen einige ihren Sicherheitslevel, andere dagegen werden von Zweifeln genagt, die möglicherweise aus den vergangenen, wohl unverarbeiteten, Beziehungen stammen.

Deutsch (1973) definiert das Vertrauen als Gewissheit, dass man eher das Gewünschte von dem Partner erhält als das Gefürchtete (S. 149).

Diese Erwartungen können verschiedener Natur sein – vom „guten Morgen Kuss“ bis zur motivationalen Orientierung wie zum Beispiel „unsterbliche Liebe“.

Um das Vertrauen zu gewinnen müssen Partner als solche wahrgenommen werden, die motiviert sind eigene Interessen zugunsten der Bedürfnisse des oder der Anderen zurückzustellen, insbesondere dann, wenn das Gegenüber am meisten darauf angewiesen ist.

Zusammenfassend, reflektiert das Vertrauen in engen Beziehungen die Erwartungen der Menschen, dass sie mit der Fürsorge der Partner unter Berücksichtigung seiner / ihrer Bedürfnisse rechnen können – und zwar jetzt und in der Zukunft. (Holmes, Rempel, 1989, S. 188)

Einfluss persönlicher Neigungen und Erwartungen auf das Vertrauen in engen Beziehungen

Wissenschaftler sind sich einig, dass das Vertrauen unter anderem von angeborenen Neigungen der Menschen (so genannten Dispositionen) beeinflusst wird (Hazan, Shaver, 1987). Einige Menschen fangen schneller und leichter dem Gegenüber zu vertrauen; und die Anderen werden nie völlig frei von Zweifeln. Die Ursache kann in ihrer Kindheit liegen sowie in Erwartungen, die sie an eine Beziehung haben.

Oft wird fälschlicherweise angenommen, dass das Vertrauen mit der Intensität der gezeigten Liebe und der gegenseitigen Abhängigkeit korreliert. Aber dem ist nicht so: Holmes hat schon im Jahr 1987 nachgewiesen, dass das Vertrauen sogar negativ mit beiden dieser Variablen korreliert.

Es korreliert dagegen positiv mit dem Wunsch nach einer relativen Autonomie in der Beziehung.

Mit anderen Worten: Menschen, die den Motiven der Anderen misstrauen, haben oft eine unrealistisch enge Erwartungshaltung und provozieren erst recht die Reaktionen, die sie befürchten. (Holmes, Rempel, 1989, S. 190)

Welche Informationen über den Partner sind für Vertrauensbildung relevant?

Der Prozess der Vertrauensbildung kann als Prozess der Reduktion der Unsicherheit beschrieben werden.

Rempel, Holmes und Zanna (1985) schlagen vor, dass die Eigenschaften des Partners oder der Partnerin, die am meisten Relevanz für Vertrauensbildung haben, sind seine oder ihre Vorhersehbarkeit, Zuverlässigkeit und Bindung.
Allerdings können auch besonders tugendhafte Partner scheitern, das Vertrauen zu gewinnen. Das Entscheidende ist, dass der Partner oder die Partnerin nicht deswegen vertrauensvoll handelt, weil er oder sie nett ist, sondern weil die andere Person ihm oder ihr wichtig ist. Mit anderen Worten, wird der Fokus auf die Besonderheit dieser einen Verbindung gelegt.

Vertrauen in engen Beziehungen in der Verliebtheitsphase

Am Anfang einer Beziehung ist das Vertrauen nicht viel mehr als ein Ausdruck der Hoffnung.

Larzelere und Huston (1980) berichten, dass das Vertrauen in der Anfangsphase einer Beziehung stark mit dem Gefühl der Verliebtheit korreliert, welches das Paar erlebt.

Die Hypothese lautet deswegen, dass das Vertrauen dann wächst, wenn die Person sich mit eigenen Zweifeln und Sorgen wegen der wachsenden emotionalen Abhängigkeit auseinandersetzt und damit zurechtkommt.  

Mit der weiteren Entwicklung der Beziehung nehmen Paare wahr, dass sie desto mehr verlieren können, je mehr sie in die Beziehung investieren. Sie versuchen ihre Unsicherheit dadurch zu reduzieren, dass sie das Verhalten des Partners oder der Partnerin beobachten und beurteilen.

Das Gefühl der Sicherheit in einer Beziehung

Kelley und Thibaut (1978) definieren die Bildung des Vertrauens als den Austausch von Botschaften, die die Unsicherheit reduzieren und die Sicherheit darüber erhöhen, dass die Beziehung fortdauern wird. Das Vertrauen in Partner/in erhöht sich dann, wenn er oder sie bereit ist einige seiner oder ihrer Interessen zugunsten des oder der Anderen zurückzustellen.

Auf diese Weise wächst das Vertrauen in einer Aufwärtsspirale, geankert in der Wahrnehmung von Gleichgewicht in der gegenseitigen Anerkennung.

Die Angst vor Zurückweisung ist hier das Gegengewicht zu der wachsenden Hoffnung. Die Sehnsucht nach Anerkennung wechselt sich mit der vorübergehenden Erleichterung und dem Sicherheitsgefühl ab. Diese spiralförmige Entwicklung nährt die Leidenschaft.

Besonders wichtig für die Entwicklung einer Beziehung ist es, dass beide eine gleich starke Abhängigkeit entwickeln:

Nicht vollständig erwiderte Liebe ist wahrscheinlich die genaueste Vorhersage für gescheiterte Beziehungen.

Menschen, die der Liebe ihrer Partner nicht sicher waren, berichteten, dass sie ebenfalls nicht sicher ihrer Liebe sind, obwohl sie zugaben, dass die Abhängigkeit von dem Partner groß war.

Andererseits, gingen die Äußerungen der Liebe bei erfolgreichen Paaren Hand in Hand mit dem Gefühl der Sicherheit einher. Die gleiche emotionale Investition scheint das Mittel zu sein sich gegen das Risiko zu versichern.

Im Anfangsstadium einer Beziehung korreliert das Gefühl des fairen Austausches mit der Zufriedenheit mit der Beziehung stark.

In späteren Stadien der langfristigen stabilen Beziehungen investieren Partner in die Beziehung gerne auch dann, wenn das Investment nicht gleich ist. Sie erwarten dabei nicht etwas Gleichwertiges zurück zu erhalten.

Zusammenzufassend, reflektiert das Gefühl des Vertrauens am Anfang einer Beziehung die Zuversicht der Partner, dass beide das Gleiche empfinden.

Fortgeschrittene Beziehungen

Mit dem Fortschreiten einer Beziehung lernen Menschen, dass ihre Interessen und Vorlieben manchmal auseinanderliegen. Interessenskonflikte entstehen nicht nur auf der Verhaltensebene, sondern sogar öfter auf der Ebene der Lebenseinstellungen und Überzeugungen.  Es wird, zum Beispiel, nicht so sehr darum gestritten, welcher Film angeschaltet wird, sondern vielmehr darum, welche Werte dieser Film vertritt.

Während negative Aspekte in den Fokus rücken, werden die Kosten von der weiteren Investition in die Beziehung erneut berechnet. Die Paare wiegen die Kosten von Kompromissen gegen die vermutete Zieleerreichung in der Beziehung. Es wird die Frage gestellt, ob man in der „richtigen“ Beziehung ist.

Die Entscheidung, mit der Beziehung fortzufahren, hängt also von der subjektiven Zukunftseinschätzung eines jeden einzelnen ab.

In dieser Zeit beginnt das Vertrauen in engen Beziehungen sich von der Liebe abzukoppeln. Dion und Dion (1976) haben herausgefunden, dass es nur eine sehr schwache Korrelation zwischen der Liebe und dem Vertrauen in dieser Phase einer Beziehung besteht.

Welche Qualitäten sind für die Bildung des Vertrauens in einer fortgeschrittenen Beziehung relevant?

Wenn Menschen Bedenken über eigene Verletzlichkeit und Abhängigkeit zum Ausdruck bringen, dann sind die Empathie und die Verantwortung die entscheidenden Qualitäten des Partners oder der Partnerin, die das Vertrauen in ihn oder sie, sowie in die Zukunft der Beziehung stärken. Zusätzlich, die Kosten, die der Partner oder die Partnerin auf sich nimmt, um dem oder der Anderen Kompromissbereitschaft zu zeigen, sind relevant.

Wenn das Paar es schafft, die Anpassungen an ihr Lebensstyle und ihre Bedürfnisse vorzunehmen, wird es sehr wahrscheinlich das Gefühl entwickeln eine sehr spezielle Beziehung zu erschaffen.

Das Paradox ist es nämlich, dass man zuerst das Vertrauen schenken muss, auch wenn dies das Risiko bedeutet, um eine vertrauensvolle Beziehung zu erschaffen.

Drei Arten von Verantwortung  

Nicht jede Art von Verantwortung ist dafür geeignet das Vertrauen zu wecken und zu steigern. Besonders wichtig scheint die Motivation des Partners oder der Partnerin zu sein, warum er oder sie sich für diese Beziehung entscheidet. Diese Motivation bedient sich bestimmter Ressourcen, die Menschen erhoffen in ihrer Beziehung zu finden. Rempel, Holmes und Zanny (1985) unterscheiden zwischen drei Arten von Ressourcen.

  • Extrinsische Ressourcen, solche wie Geld und Status.
  • Instrumentale Ressourcen, solche wie das Äußere, das Intellekt, die soziale Kompetenz, aber auch die Unterstützung, die Freundschaft und die Anerkennung.

Der allgemein als unangenehm empfundener Gedanke ist, dass der Partner oder die Partnerin in die Beziehung investieren könnte, weil er oder sie sich aus dieser Beziehung gewisse Vorteile verspricht.

  • Die Motivation des Partners oder der Partnerin, die am meisten der Bildung von Vertrauen beiträgt, ist daher die Intrinsische Motivation.

Intrinsische Motivation formt den Begriff der „wahren Liebe“ in unserer Kultur und bedeutet, dass die Liebe von sich aus schon belohnend ist. Man kümmert sich um den Anderen ohne sichtbaren bzw. wahrnehmbaren Grund, sondern weil man einfach das Bedürfnis verspürt dies zu tun.

Rempel, Holmes und Zanna (1985) haben in einer Studie herausgefunden, dass das Vertrauen stark mit dem Glauben der Partner korreliert, dass das Gegenüber von der intrinsischen Motivation geleitet ist (r=.52). Jedoch nicht von der instrumentalen Motivation (r=.17) und schon gar nicht von der extrinsischen Motivation (r=-.03).

Allerdings haben Menschen meist instrumentale Gründe genannt, wenn es darum ging zu erklären, warum ihr Partner oder ihre Partnerin ihnen vertraut (r=0,41). Die höchste Bedeutung wurde solchen Qualitäten wie die Unterstützung und die Anerkennung geschenkt.

Im Unterschied zum Vertrauen, wurden die Liebe und die Zufriedenheit mit instrumentalen Motiven assoziiert (r=.52). (Holmes, Rempel, 1989, S. 203)

Quelle: https://www.researchgate.net/publication/232565690_Trust_in_Close_Relationships

Vertrauen in engen Beziehungen. Eine Frau und ein Mann im Alter von ca. 50 Jahren umarmen sich und sehen glücklich aus.

Lies mehr über Vertrauen in engen Beziehungn im Artikel “Seitensprung und Vertrauensbruch in Beziehungen”: https://swetlanascoaching.com/seitensprung-und-vertrauensbruch-in-beziehungen/

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