Warum ist guter Umgang wichtig?

„Ich kann zwei Monate von einem netten Kompliment leben.“

Mark Twain

Warum ist guter Umgang so wichtig? Weil guter Umgang Dein Leben und das Leben der Menschen in Deiner Umgebung schöner, entspannter und einfacher macht.

Wir haben eine begrenzte Zeit hier in diesem Leben zu verbringen. Was am Ende des Lebens zählen wird, ist nicht Deine Karriere, Dein Kontostand, der Ort, an dem Du lebst und sogar nicht Dein Familienstand oder die Anzahl Deiner Kinder…  

Menschen im Alter, die darüber urteilen, ob ihr Leben erfolgreich war oder nicht, urteilen darüber allein anhand der Qualität ihrer zwischenmenschlichen Beziehungen.

Du hast sicherlich schon beide Extreme in Deinem Leben getroffen:

Verärgerte ältere Menschen, denen man nie Recht machen kann, auf der einen Seite und auf der anderen Seite zufriedene Senioren, die ihr Leben aktiv genießen, oft eine Mentorenrolle gegenüber den Jüngeren einnehmen und ihre Großkinder übermäßig verwöhnen (denn das dürfen sie ja jetzt endlich mal 😊).

Wenn Du eine Wahl hättest, in welcher Familie wärst Du gerne aufgewachsen – in einer mit einem liebevollen Umgang oder in einer, in der man nie Recht machen kann?

In Paarbeziehungen ist es nicht anders:

Die Wissenschaftler aus dem Relationship Research Institute in Seattle haben Sprachverhalten der Paare untersucht. Sie ließen Paare über ein Thema diskutieren, bei dem sie sich nicht einig waren.

Dabei stellte sich heraus, dass Paare, die miteinander freundlich umgegangen sind, drei Jahre später immer noch zusammen waren.

Das Verhältnis von positiven und negativen Aussagen betrug bei ihnen 5:1.

Die Paare, deren positive und negative Aussagen im Verhältnis 1:1 standen, waren nach drei Jahren bereits getrennt.

Noch einmal, weil das so wichtig ist: Das Verhältnis 5:1 während eines Streits!

In der alltäglichen Kommunikation – also nicht in einem Streit – sollte das Verhältnis mindestens 10:1 sein.

Ich glaube, es ist nicht die Frage, warum guter Umgang wichtig ist, sondern wie können wir guten Umgang in unserem täglichen Leben praktizieren – ganz selbstverständlich und aus einer guten Gewohnheit heraus?

Der Schlüssel zu einem guten Umgang liegt in Deinem emotionalen Zustand, in Deiner grundsätzlich positiven Einstellung zu Dir selbst, zu Menschen in Deiner Umgebung und zu Welt allgemein.

Es gibt drei Regeln, an die Du Dich halten musst – wirklich nur drei. Wenn Du Dich an sie hältst, erlebst Du die Beziehungen mit denselben Personen in Deinem Leben plötzlich in einer neuen Qualität – warm und geborgen, mit mehr Respekt und Vertrauen. Versuch es einmal!

Regel 1: Die Intention zählt

Warum, glaubst Du, ist Dein/e Partner/in mit Dir zusammen? Warum überhaupt kommen Menschen zusammen und versuchen etwas aufzubauen? Sicherlich nicht um sich gegenseitig unglücklich zu machen. Wenn wir zusammenkommen – egal in welcher Form – kommen wir, weil wir uns von der Interaktion miteinander mehr Glück und Lebenszufriedenheit versprechen. Wir wollen glücklich sein und wir wollen Menschen in unserer Umgebung glücklich sehen, nicht wahr?

Insbesondere in einer Streitsituation istes wichtig das große Ganze nicht aus den Augen zu verlieren – worauf es letztendlich ankommt: Liebe, Zweisamkeit und Unterstützung.

Wenn Du im Gespräch merkst, dass Du und Dein/e Partner/in Euch langsam in einen Streit hinbewegt, mach eine Pause, atme tief ein und aus und ändere physisch Deine Position im Raum. Lenke Deine Aufmerksamkeit auf Deine Umgebung – die Formen, die Farben, die Geräusche und die Gerüche. Wenn Du alle Deine Sinne nutzt, wirst Du Dich seelisch entspannen und offen für Perspektivenwechsel werden.

Versuche das Streitobjekt aus den Augen Deines Gegenübers heraus – aus seiner Perspektive – wahrzunehmen. Dein Ziel ist jetzt mindestens 3 positive Gründe für die Meinung zu finden, die Dein Gegenüber vertritt.

Geh IMMER davon aus, dass Dein/e Partner/in eine positive Intention mit ihrem/seinem Handeln verfolgt. Denn am Ende des Tages alles, was sie oder er möchte, ist glücklich zu sein und Dich glücklich zu sehen. Bitte, würdige das.

Regel 2: Fehler sind erlaubt und willkommen

Überlasse Deiner/m Partner/in die Verantwortung für das eigene Handeln. Solltest Du glauben, dass sie oder er gerade einen Fehler macht, mach Dir klar, dass dies nur Deine Meinung ist: Du kannst es nicht mit Sicherheit wissen. Außerdem, selbst wenn das ein Fehler ist, wird sie oder er daran wachsen. Es ist ihr/sein Fehler und jeder – auch Du – hat das Recht auf eigene Erfahrungen und auch eigene Fehler.

Ich bitte oft meinen kleinen Sohn mir über seine Fehler zu erzählen, die er in der Schule gemacht hat. Und ich lobe ihn dafür. Damit möchte ich erreichen, dass er keine Angst vor Fehlern hat. Ich bringe ihm bei, seine Fehler als Chance zu sehen, Erfahrungen zu machen und daraus zu lernen.

Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass fehlerresistente Menschen erfolgreicher sind: Sie lassen sich nicht durch ihre Niederlagen entmutigen und demotivieren. Wenn wir gegenüber unseren Fehlern resistent sind, versuchen wir aufs Neue, immer und immer wieder, das zu erreichen, was wir wollen. Wie ein Baby, das Laufen lernt: Was wäre, wenn wir damals Angst hätten Fehler zu machen? Wir würden immer noch auf dem Bauch kriechen. Genau so ist das mit jedem anderen Ziel: In der Schule, im Studium, im Business, in unserem Privatleben – aus unseren Fehlern lernen wir das größtmögliche Potenzial zu erreichen.

Regel 3: Mache Komplimente

Am Anfang einer Beziehung machen wir ständig einander Komplimente und das ist oft der Grund, warum wir uns in der Verliebtheitsphase so großartig fühlen: „Ach, endlich sieht mich jemand wie ich wirklich bin…“ 😊

Deine Beziehung wird davon profitieren, wenn Du Deiner/m Partner/in (und allgemein jeder anderen Person in Deinem Leben) hin und wieder ein ernst gemeintes Kompliment aussprichst.

Diese Wertschätzung ist wie ein Feuer: Man zündet es an, man gibt gut getrocknetes Holz (Brennstoff) und es brennt mehrere Stunden oder Tage, bleibt in Erinnerung und wärmt das Herz.

Ernst gemeinte Komplimente sind eine unglaubliche Motivation. Die Studien über langjährige erfolgreiche Paare haben ein interessantes Phänomen ans Licht gebracht:

Nämlich, dass erfolgreiche Paare im Laufe der Zeit sich gegenseitig „formen“, indem sie Komplimente aussprechen (siehe Michelangelo-Effekt: https://swetlanascoaching.com/kommunikation-der-erfolgreichen-paare-der-michelangelo-effekt/)
Nach einem guten Kompliment versuchen die Partner die gute Meinung von sich weiterhin zu unterstützen und legen sich noch mehr ins Zeug.

Wir alle möchten eine gute Meinung über sich selbst haben. Kritik tut uns nicht wirklich gut. Kannst Du Dich erinnern, dass Du Dein Verhalten jemals nur deswegen geändert hast, weil Du kritisiert wurdest?

Man muss sich wirklich wundern, warum so viele Menschen immer und immer wieder mit Kritik etwas zu erreichen versuchen, während das nie funktioniert.

In allen Arten von Beziehungen – Partner, Eltern und Kinder, Kollegen und Vorgesetzte – ist ein guter Umgang der Weg zur besseren und vor allem effektiveren Kommunikation. Und deswegen ist guter Umgang so wichtig.

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